Interview mit Sylvia Knewel: „Der Applaus der Kinder ist meine größte Motivation“

Seit mehr als zwei Jahren begeistert Sylvia Knewel jeden ersten Mittwoch im Monat mit ihrem Bilderbuchkino in der Stadtbibliothek Overath. Mit viel Herzblut, Kreativität und ehrenamtlichem Engagement nimmt sie Kinder mit auf spannende Geschichtenreisen. Im Interview erzählt sie, wie das Bilderbuchkino entstanden ist, warum Sprache für Kinder so wichtig ist und weshalb sie sich jedes Mal aufs Neue auf ihre kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer freut.

Frau Knewel, wie entstand die Idee, ein Bilderbuchkino in der Stadtbibliothek Overath anzubieten?

Die Idee entwickelte sich mit der Wiedereröffnung der Stadtbibliothek im Mai 2023. Damals sollte das Kinderprogramm erweitert werden – besonders für junge Familien. Christiane Miebach gewann mich als Vorleserin und wir planten die ersten Vorleseaktionen, unter anderem ein Bilderbuchkino in den Sommerferien. Zunächst gab es einzelne Vorlesestunden in den Sommerferien. Im August 2023 habe ich dann erstmals ein Bilderbuchkino angeboten. Das wurde so gut angenommen, dass schnell klar war: Daraus soll ein regelmäßiges Angebot werden. In gemeinsamer Vorbereitung mit Frau Miebach findet das Bilderbuchkino seitdem jeden ersten Mittwoch im Monat statt und erfreut sich großer Beliebtheit. Es kommen sogar Familien aus den Nachbarstädten. Besonders freue ich mich, wenn Eltern hinterher sagen, dass ihnen die Veranstaltung genauso gut gefallen hat wie ihren Kindern. Solche Rückmeldungen sind für mich eine große Motivation.

Was genau ist ein Bilderbuchkino?

Beim Bilderbuchkino werden die Illustrationen des Buches groß auf eine Leinwand projiziert, während ich die Geschichte vorlese. Dabei bleibt es aber nicht beim Zuhören. Gemeinsam mit den Kindern schauen wir uns die Bilder an, überlegen, wie die Geschichte weitergehen könnte, und sprechen über die Figuren. Die Kinder bringen oft erstaunliche Ideen ein. So entsteht eine gemeinsame Reise durch die Geschichte, bei der alle aktiv mitmachen können.

Was macht das Bilderbuchkino für Sie so besonders?

Das Besondere ist die Interaktion. Die Kinder hören nicht nur zu, sondern werden Teil der Geschichte. Wenn sie mitdenken, erzählen und mitfiebern, bleibt ihre Aufmerksamkeit viel länger erhalten. Genau dieses gemeinsame Erleben macht das Bilderbuchkino aus.

Erzählen Sie uns etwas über sich. Hatten Sie schon immer mit Kindern zu tun?

Eigentlich begleitet mich die Arbeit mit Kindern schon sehr lange. Ich bin ein offener Mensch, interessiere mich für andere und arbeite gerne mit Menschen zusammen. Als meine Tochter klein war, habe ich immer geschaut, welche Angebote Kinder in ihrem Alter brauchen könnten. So habe ich unter anderem eine Krabbelgruppe geleitet, eine Schulbibliothek mit neu aufgebaut und verschiedene Kurse für Kinder angeboten.

Später war ich außerdem drei Jahre ehrenamtlich bei der „Nummer gegen Kummer“ tätig. Dort habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, Kinder früh zu stärken – vor allem durch Sprache und Bildung. Nach 2016 unterstützte ich im Projekt „Integration und Bildung“ des Schulamtes verschiedene Bildungsangebote. Drei Jahre lang vermittelte ich ehrenamtlich Deutsch für geflüchtete syrische Kinder an einer Grundschule und anschließend Deutsch für ukrainische Vorschulkinder in einer Kindertagesstätte.

Was motiviert Sie persönlich, sich ehrenamtlich in der Stadtbibliothek zu engagieren?

Kinder entwickeln sich durch Sprache enorm. Geschichten fördern nicht nur den Wortschatz, sondern auch Fantasie, Empathie und Konzentration. Es macht mir einfach Freude, Kindern etwas mitzugeben und ihnen schöne Erlebnisse zu schenken. Ich freue mich, wenn ich sehe, wie begeistert sie mitmachen und welche Entwicklung sie über die Zeit machen.

Die Bühne ist jedes Mal passend zur Geschichte dekoriert. Wie entstehen Ihre Ideen?

Ich versuche, für jedes Buch eine kleine Bühne entstehen zu lassen. Dafür lese ich die Geschichte mehrmals laut durch und tauche richtig in sie ein. Dabei entwickeln sich die Ideen fast von selbst. Manchmal baue ich sogar kleine Spezialeffekte ein – fliegende Gegenstände oder Seifenblasen zum Beispiel. Der Teufel steckt dabei oft im Detail. Wahrscheinlich kommt mir auch mein früherer Kunstleistungskurs zugute.

Wie viel Zeit investieren Sie in die Vorbereitung?

Je nach Buch können schon acht bis zehn Stunden Vorbereitung zusammenkommen. Dazu gehören das Lesen, die Gestaltung der Dekoration, der Aufbau der Technik und natürlich die Überlegung, wie ich die Kinder am besten in die Geschichte einbeziehen kann.

Wie wählen Sie die Bücher aus?

Die Geschichten orientieren sich häufig an den Jahreszeiten oder besonderen Anlässen. Wichtig ist mir vor allem, dass sie zum Mitdenken und Mitsprechen anregen und den Kindern Freude bereiten. Natürlich gehört jedes Jahr auch das ausgewählte „Junge Buch der Stadt“ dazu.

Haben Sie ein Lieblingsbuch oder eine besonders schöne Erinnerung?

Ein einzelnes Lieblingsbuch habe ich gar nicht. Jede einzelne Geschichte wird durch die Kinder etwas Besonderes. Sie machen so toll mit und sind unglaublich dankbare Zuhörerinnen und Zuhörer. Viele Familien kommen regelmäßig wieder. Eine Mutter sagte einmal zu mir: „Natürlich kommen wir – wir sind doch Ihre Fangemeinde.“ Das hat mich sehr berührt.

Für welche Altersgruppe eignet sich das Bilderbuchkino besonders?

Grundsätzlich kann man gar nicht früh genug mit dem Vorlesen beginnen. Für das Bilderbuchkino selbst empfehle ich jedoch Kinder ab etwa vier Jahren. In diesem Alter können sie sich gut auf die Geschichte einlassen, aktiv mitdenken und sich an den Gesprächen beteiligen. Natürlich gibt es auch jüngere oder ältere Kinder, für die das Angebot gut passt. Ich würde mich freuen, wenn es künftig zusätzlich noch ein Angebot speziell für die ganz Kleinen gäbe.

Ist es bei den Veranstaltungen immer ruhig genug?

Das ist unterschiedlich. Es hängt auch davon ab, wie viele Familien kommen und ob jüngere Geschwister oder Babys dabei sind. Für das Bilderbuchkino ist eine möglichst ruhige Atmosphäre hilfreich, damit die Kinder der Geschichte gut folgen und sich auf die Gespräche einlassen können.

Sie stehen stellvertretend für viele Ehrenamtliche in der Stadtbibliothek. Warum ist ehrenamtliches Engagement so wichtig?

Viele Angebote wären ohne Ehrenamt gar nicht möglich. Ehrenamtliche schenken ihre Zeit und bereichern damit das Leben anderer Menschen. Mir persönlich macht es große Freude, anderen eine Freude zu bereiten. Wenn Kinder strahlen oder am Ende applaudieren, dann ist das für mich der schönste Lohn.

Was würden Sie Menschen sagen, die überlegen, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren?

Man sollte etwas finden, das zu den eigenen Interessen passt und deshalb authentisch ist. Dann wird das Ehrenamt zu einer persönlichen Bereicherung. Es ist ein schönes Gefühl, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und mit der eigenen Zeit etwas Sinnvolles zu bewirken.

Worauf freuen Sie sich beim nächsten Bilderbuchkino?

Eigentlich auf alles. Ich habe immer einen Kopf voller Ideen und freue mich auf jede neue Geschichte. Am schönsten ist für mich aber der Moment, wenn die Kinder gespannt vor der Leinwand sitzen und wir gemeinsam in eine neue Bilderbuchwelt eintauchen.


Ausblick auf das nächste Bilderbuchkino

Im nächsten Bilderbuchkino am Dienstag, 5. August, von 16.00 bis 17.00 Uhr wird das Bilderbuch Krakadu vorgelesen. Die Geschichte erzählt von der kleinen Krake Krakadu, die ihren ganz eigenen Weg findet und dabei lernt, dass jeder mit seinen Besonderheiten wertvoll ist. Eine warmherzige Geschichte über Selbstvertrauen, Mut und Freundschaft, die zum Mitdenken und Mitfühlen einlädt.

 

Stadt Overath
Pressestelle

Galerie 

Liebevoll gestaltete Bilderbuchwelten

Jedes Bilderbuchkino wird mit viel Kreativität und Liebe zum Detail vorbereitet. Passend zur jeweiligen Geschichte entstehen fantasievolle Kulissen, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern und jede Vorlesestunde zu einem besonderen Erlebnis machen. Eine Auswahl der vergangenen Bilderbuchkinos finden Sie hier:










 

Hilfe zur Barrierefreiheit