Vom Bahnhof zum Kulturbahnhof
Der Bahnhof Overath wurde bei der Eröffnung der ersten Strecke von Siegburg über das Aggertal bis Ründeroth am 15.10.1884 an die Eisenbahn angebunden.
Von nachhaltiger Bedeutung war schließlich die Fertigstellung der neuen Strecke über Hoffnungsthal nach Köln, die am 31.07.1910 eingeweiht werden konnte. Das damit einsetzende viel höhere Verkehrsaufkommen hatte nicht allein die Erweiterung der Gleise auf sechs und die Anlage eines zweiten überdachten Bahnsteigs zur Folge, sondern auch die Erweiterung des Bahnhofgebäudes. Zu einem späteren Zeitpunkt ist der ortsseitig gelegene, vor dem Bahnhofsgebäude befindliche Garten zu dem heute erhaltenen Bahnhofsvorplatz umgestaltet worden, womit ein städtebaulich bedeutsamer Akzent für die Ortsstruktur gesetzt worden ist. Darüber hinaus sind diese beiden Entwicklungsphasen des Overather Bahnbetriebs trotz Kriegsschäden und nachträglicher, auch neuzeitlicher Veränderungen an dem Bahnhofsgebäude ablesbar.
Anders als viele andere Bahnhöfe im Bergischen Land liegt der Bahnhof nicht am Stadtrand, sondern zentral im Ort und prägt mit seiner Architektur das umliegende Viertel.
Tag für Tag pendeln hier Tausende Menschen mit Bahn und Bus ein und aus – der Bahnhof war lange Zeit das wirtschaftliche Zentrum Overaths.
Heute hat sich das Leben rund um den Bahnhof gewandelt, doch er bleibt ein lebendiger Ort. Vor dem Bahnhofsgebäude finden sich Einzelhandel, Wochenmärkte, Gastronomie und kulturelle Veranstaltungen wie die Kirmes, der Karneval und der „Overather Frühling“.
In den Jahren vor der Jahrtausendwende drohte das Bahnhofsgebäude jedoch an Bedeutung zu verlieren.
Der Güterverkehr verlagerte sich auf die Straße. Gleise wurden abgebaut. Stellwerke automatisiert. Personal abgezogen. Zwar blieben die hohen Fahrgastzahlen dank der günstigen Anbindung nach Köln, des City-Bahn-Taktbetriebes der Strecke und der Anlage eines Park-&-Ride-Platzes hinter den Gleisen erhalten, aber die Fahrkarte kam per Abo oder aus dem Automat und die Reisenden stiegen vom Auto, zu Fuß oder aus dem Bus kommend direkt in die Züge ein. Die Räumlichkeiten und Anlagen wurden kaum noch gepflegt, und das Bahnhofsgebäude stand schließlich leer und ungenutzt. Die Bahnhofsgaststätte fristete ein Schattendasein, und viele Pendlerinnen und Pendler nutzten nur noch die Bahnsteige.
Mitte der 1990er Jahre teilte der Overather Bahnhof das Schicksal vieler Bahnhöfe und drohte zu verfallen.
Das Projekt „Kulturbahnhof“
Das Projekt „Kulturbahnhof“ begann im Jahr 2000, als sich die Stadt Overath erfolgreich um Fördermittel aus dem Programm „100 Bahnhöfe“ bewarb. Dieses Programm unterstützte den Erwerb und die Umgestaltung alter Bahnhofsgebäude für neue Nutzungskonzepte.
Nach und nach setzte die Stadt den Umbau in die Tat um: Zuerst wurde die ehemalige Bahnhofsgaststätte vom neuen Pächter saniert und entwickelte sich bald zur beliebten „Stadtmitte“ und Kultgaststätte.
Heute befindet sich dort das Burgerwerk, das die gastronomische Tradition des Hauses fortführt und den Bahnhofsvorplatz weiterhin als lebendigen Treffpunkt prägt. Durch Veranstaltungen und Aktionen im Kulturbahnhof engagiert sich das Burgerwerk zudem aktiv im kulturellen Leben Overaths und knüpft damit an die besondere Geschichte des Ortes an.
Anschließend eröffnete das Servicecenter der RVK, das Reisenden neben Fahrkarten auch Getränke, Erfrischungen und Zeitschriften anbietet.
Zuletzt wurden der Veranstaltungsraum und mehrere Seminarräume fertiggestellt. Kulturelle Events, Konzerte, Theateraufführungen sowie Feiern und Ausstellungen bringen nun neues Leben in den Bahnhof. Der Veranstaltungsraum beeindruckt mit Grauwacke-Mauerwerk und großen Fenstern mit Rolltoren und bietet ein einzigartiges Ambiente für viele Anlässe. Ergänzt wird das Angebot durch vier modern ausgestattete Seminarräume und ein Trauzimmer.
