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Vilkerath

Das Wasser hat in Vilkerath in der Vergangenheit eine besondere Rolle gespielt. Wasser umspülte den Rittersitz Vilkerath, Hochwasser führte alljährlich zu Schäden, bis 1895 ein Deichverband den Bau eines Agger Dammes durchsetzte und den Ort so gegen Hochwasser schützte.
Wasserkraft hat auch die Aggermühle getrieben, die Moelen, zugleich ein kleiner Rittersitz bei Vilkerath, der schon 1347 urkundlich erwähnt wird. Der Rittersitz oder die "Wasserburg" Vilkerath selbst wird seit 1368 bezeugt. Noch 1901 berichtet der damalige Bürgermeister Simons vom Burgplatz in Vilkerath, auf dem ein von den Gutsleuten errichtetes Steinkreuz von 1781 stehe.
 
Das Kreuz steht heute noch neben der Kirche, die Reste der Burg liegen unter dem Pflaster der Kölner Straße, die sich zwischen 1820 und 1830 erbarmungslos durch den Ort Vilkerath schob, 1884 mit Gleis der Eisenbahn, schließlich 1938 um die verlegte Bahnstraße erweitert wurde.
Wasserkraft gab auch die ersten Impulse für Industrie und Gewerbe in Vilkerath die gerade heute des Bild dieses Gemeindedorfes ganz wesentlich prägen.

Wichtig für die Entwicklung zum heutigen Ort Vilkerath waren in der Tat die Agger , die Straße und die Bahn, gute Vorraussetzungen für einen Industrie- und Gewerbestandort, der die Anbindung ans weite Umland braucht. Die unmittelbar vorbeiführende Autobahn Köln-Olpe war gleichsam das Tüpfelchen auf dem I (für Industrie), eine Verkehrsanbindung, wie sie nicht besser sein kann.

Kein Wunder, dass der Standort Vilkerath nach wie vor attraktiv und gefragt ist. Das gilt für Gewerbeansiedlung, aber auch für Wohnbebauung.

In der Gemeinde Overath gehört die Hohnschaft Vilkerath zu den ältesten; sie wird schon 1250 im Siegburger Abteiverzeichnis erwähnt.

Die Bedeutung des Ortsbereiches unterstreicht auch der urkundliche Bericht, das 1612 ein Eremund von Orsbeck zu Vilkerath in den Landtag nach Opladen berufen wurde, ein Privileg, das nur wenige zugestanden wurde. Ende des 17. Jahrhunderts werden in Vilkerath 33 Steuerzahler notiert, ebenfalls ein Indiz für die Bedeutung des Ortes. 1780 gab es 52 Haushaltungen und ab 1789 bis etwa 1870 ein ständiges Gerangel um die Pfarrzugehörigkeit. Es ging dabei nicht nur um Ortschaften zwischen Vilkerath und Hohkeppel, sondern Gesamt –Vikerath, das die Hohkepeler in ihre Pfarrei einbezogen wissen wollten. Die erzbischöfliche Entscheidung fiel zugunsten eines Anschlusses an Overath. Immerhin mit umliegenden Ortschaften zur Zivilgemeinde Overath.

Am Peter- und Pauls-Tag des Jahres 1879 gründete Theodor Wermelskirchen in Obermiebach einen „Kirchbauverein Vilkerath", aber erst am 5. Juni1894, wurde mit den bauarbeiten begonnen und schon am Feste Mariä Empfängnis desselben Jahres setzte man den Wetterhahn auf den Dachreiter.

Die Kapelle war bald zu klein und so baute man eine größere Kirche 1952 auf dem ehemaligen Bauplatz. 1958 kam der Großturm hinzu.
In der Bevölkerungsstatistik des Jahres 1900 werden für Vilkerath 113 Einwohner registriert. Umso erstaunlicher das rege Ortsleben in den Jahren vor der Jahrhundertwende:
 
  • 1872 Gründung des bis heute geradezu beispielhaften Landwirtschaftlichen Casinos (seither alljährlich vielgerühmter Erntezug am zweiten Sonntag im Oktober). Damals schlossen sich in Vikerath die Landwirte mit Handwerkern und anderen Bürgern zu einem Verein zusammen, dem landwirtschaftlichen Casino, um den "landwirtschaftlichen Betrieb der Ortschaft und Umgebung zu einem besseren und höheren Ertrage zu bringen...". Verkaufs-, Kaufs- und Kredithilfen waren auch Anliegen.
  • 1877 Bau einer zweiklassigen Schule,
  • 1895 Gründung eines Deichverbandes,
  • 1896 Errichtung der Kapelle,
  • vor 1900 Gründung des MGV Frohsinn.

Nach den beiden Weltkriegen gab es neue Impulse:
  • 1920 Neugründung des MGV,
  • 1923 gründete sich die Feuerwehr,
  • 1938 Kirchenchor,
  • 1946 Karnevalgesellschaft Vilkerather Narren,
  • 1961 Sportclub,
  • 1970 Bürgerverein.

So ist die Ortsgemeinschaft Vilkerath über die Jahrhunderte lebendig geblieben bis auf den heutigen Tag.
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